Der Einleitungssatz im Anschreiben: so beginnen Sie überzeugend
„Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle“ – dieser Satz steht in fast jedem Anschreiben und sagt nichts. Der erste Satz entscheidet, ob überhaupt weitergelesen wird.
Recruiter lesen Anschreiben selten vollständig. Meist entscheidet der Beginn, ob der Text überflogen oder ernst genommen wird.
Ein guter Einleitungssatz beantwortet zwei Fragen: Auf welche Stelle beziehen Sie sich, und warum passen Sie dazu? Alles andere kommt später.
Dieser Artikel zeigt Formulierungsmuster für typische Bewerbungssituationen – vom Berufseinstieg bis zum Wechsel aus dem Ausland.
Was ein starker erster Satz leistet
Die Stellenbezeichnung selbst steht bereits in der Betreffzeile. Der erste Satz darf sie deshalb nicht nur wiederholen, sondern soll einen inhaltlichen Bezug herstellen.
- eindeutiger Bezug zur ausgeschriebenen Position
- ein konkreter Anknüpfungspunkt: Erfahrung, Qualifikation, Fachgebiet
- Bezug zum Unternehmen oder zur Aufgabe, nicht zur eigenen Wunschliste
- aktive Sprache ohne Floskeln und ohne Konjunktiv
- maximal zwei Zeilen
Schwache und starke Einleitungen im Vergleich
| Statt | Besser |
|---|---|
| „Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle.“ | „Als Pflegefachkraft mit vier Jahren Erfahrung auf einer internistischen Station bewerbe ich mich auf Ihre Position im Zentrum für Innere Medizin.“ |
| „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen.“ | „Ihre Ausschreibung für die Prozessoptimierung in der Serienfertigung trifft genau meinen Schwerpunkt der letzten drei Jahre.“ |
| „Ich würde mich freuen, Teil Ihres Teams zu werden.“ | „Was Sie suchen – Erfahrung in SAP MM und Lieferantenkommunikation – habe ich zuletzt bei einem Zulieferer mit 300 Mitarbeitenden verantwortet.“ |
| „Ich bin ein motivierter Teamplayer.“ | „In meiner jetzigen Rolle betreue ich täglich 15 Firmenkunden und übernehme die Einarbeitung neuer Kolleginnen.“ |
Der Unterschied liegt nicht im Stil, sondern im Informationsgehalt: konkrete Tätigkeit statt Absichtserklärung.
Beispiele für typische Situationen
Passen Sie die Muster mit Ihren eigenen Angaben an – Zahlen und Fachbegriffe machen den Unterschied.
- Berufserfahren: „Seit fünf Jahren verantworte ich die Lohnbuchhaltung für 120 Mitarbeitende – genau die Aufgabe, die Sie ausschreiben.“
- Berufseinstieg: „Mit meinem Bachelor in Wirtschaftsinformatik und einem sechsmonatigen Praktikum in der SAP-Betreuung bewerbe ich mich als Junior Consultant.“
- Quereinstieg: „Aus der Hotellerie bringe ich mit, was Ihre Kundenbetreuung braucht: Beschwerdemanagement, Schichtorganisation und Sicherheit im Kundenkontakt.“
- Bewerbung aus dem Ausland: „Als anerkannte Ärztin mit Approbationsverfahren in Nordrhein-Westfalen und Deutsch auf Niveau C1 bewerbe ich mich als Assistenzärztin.“
- Interne Bewerbung: „Nach zwei Jahren im Kundenservice möchte ich intern in die Teamleitung wechseln und bringe die Einarbeitung von sechs Kolleginnen mit.“
- Empfehlung: „Frau Keller aus Ihrer Fachabteilung hat mich auf die offene Stelle in der Qualitätssicherung hingewiesen.“
Vorher/Nachher: ein konkreter Einstieg
Vorher
„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Elektroniker. Ich habe Ihre Anzeige mit großem Interesse gelesen und würde mich freuen, von Ihnen zu hören.“
Problem: keine Information, austauschbar für jede Stelle.
Nachher
„Sehr geehrte Frau Bauer, seit vier Jahren halte ich Fertigungsanlagen in einem Dreischichtbetrieb instand – inklusive Störungsanalyse an SPS-Steuerungen. Genau diese Erfahrung suchen Sie für Ihre Betriebstechnik.“
Vorteil: Bezug zur Anzeige, überprüfbare Erfahrung, richtige Fachbegriffe.
Ansprechpartner recherchieren
„Sehr geehrte Damen und Herren“ ist zulässig, aber ein Name wirkt besser. Häufig steht er in der Anzeige, im Impressum oder im Karrierenetzwerk des Unternehmens.
Begriffe aus der Anzeige übernehmen
Der Einstieg ist die beste Stelle, um die wichtigsten Begriffe der Ausschreibung aufzugreifen – etwa die exakte Stellenbezeichnung, eine Software oder eine Methode.
Das hilft beim Lesen und bei der automatisierten Vorauswahl, sofern das Anschreiben mitgelesen wird. Erfinden Sie dabei nichts: Nur Begriffe verwenden, die Ihre Erfahrung tatsächlich abdecken.
Wie Sie die passenden Begriffe erkennen: Keywords im Lebenslauf
Muss- und Kann-Kriterien einer Anzeige unterscheiden: Stellenanzeige richtig lesen
Einleitungen, die Sie streichen sollten
- „Hiermit bewerbe ich mich …“ ohne weiteren Inhalt
- „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen.“
- Lebenslauf in Prosa nacherzählen
- Konjunktiv: „Ich würde gerne …“
- Lob ohne Bezug: „Ihr Unternehmen ist marktführend.“
- eigene Wünsche zuerst statt Nutzen für die Stelle
- falsche Stellenbezeichnung aus einer früheren Bewerbung
- Sätze über vier Zeilen ohne konkrete Aussage
Anschreiben und Lebenslauf abstimmen
Häufige Fragen
Wie lang sollte der Einleitungssatz sein?
Ein bis zwei Zeilen. Er soll den Bezug herstellen, nicht schon die ganze Bewerbung erzählen.
Darf ich mit „Hiermit bewerbe ich mich“ beginnen?
Es ist nicht falsch, aber inhaltsleer und sehr verbreitet. Ein konkreter Bezug zu Ihrer Erfahrung wirkt deutlich besser.
Wie beginne ich ohne Berufserfahrung?
Mit dem fachlichen Schwerpunkt aus Studium oder Ausbildung, gern verbunden mit einem Praktikum, Projekt oder einer Abschlussarbeit zum Thema der Stelle.
Soll ich den Ansprechpartner namentlich nennen?
Ja, wenn der Name bekannt oder recherchierbar ist. Ansonsten ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ korrekt.
Darf ich eine Frage als Einstieg verwenden?
In konservativen Branchen besser nicht. Sicher ist eine sachliche Aussage mit Bezug zur Position.
Muss der erste Satz Keywords enthalten?
Er sollte die exakte Stellenbezeichnung und möglichst einen zentralen Fachbegriff der Anzeige aufgreifen – nur wenn dies Ihrer Erfahrung entspricht.
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