In deutschsprachigen Bewerbungen ist die Zwei-Seiten-Regel weit verbreitet, aber sie ist kein Gesetz. Wenn Sie fünf oder mehr Jahre Berufserfahrung mitbringen, wird die zweite Seite fast automatisch gefüllt – schon allein, weil frühere Stationen, Weiterbildungen, Zertifikate und Kenntnisse Platz brauchen. Wer sich krampfhaft auf eine Seite quetscht, muss dafür entweder Inhalte streichen, die relevant wären, oder Schriftgrößen und Abstände so weit reduzieren, dass die Lesbarkeit leidet.
Umgekehrt: Wer als Absolvent oder Berufsstarter die zweite Seite mit halben Sätzen, Schulnoten aus der Mittelstufe oder allgemeinen Formulierungen füllt, wirkt schnell wenig strukturiert. Eine gut aufgebaute erste Seite mit Fokus auf Studium, Praktika, relevante Projekte und Sprachen ist in dieser Phase deutlich stärker als zwei ausgedehnte Seiten voller Füllstoff.
Praktisch bedeutet das: Der Standard in Deutschland liegt zwischen einer und zwei Seiten. Eine Seite ist für Berufseinsteiger die Regel. Ein bis zwei Seiten sind für Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung üblich. Zwei Seiten sind für erfahrene Professionals, Führungskräfte und Spezialisten mit vielen Stationen die typische Länge. Erst darüber hinaus sollte man sich sehr bewusst fragen, ob wirklich jede weitere Zeile notwendig ist.
Wichtig ist auch: „zwei Seiten“ meint nicht „zwei komplett vollgeschriebene Seiten“. Ein Lebenslauf, der auf 1,3 oder 1,7 Seiten endet, ist völlig in Ordnung. Weißraum ist keine Verschwendung, sondern ein Gestaltungselement, das den Blick lenkt und den Lesefluss unterstützt. Recruiter erwarten heute klar strukturierte, luftige Dokumente – keine engbeschriebenen Textseiten.